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Informationen rund um das ERP-System APplus

Kosten spielen für Unternehmen eine überraschend geringe Rolle. Wichtiger sind Support und Stabilität. Viele arbeiten mit überalterten Systemen. Neue Service-Modelle stoßen auf wenig Gegenliebe, wie eine Umfrage von SoftSelect zeigt.

Als Schulnote wäre es wohl im Durchschnitt eine 3, die die Anwender ihrem Enterprise Resource Planning (ERP) geben würden. Befriedigend also, aber durchaus mit Potenzial nach oben, so lässt sich das Ergebnis einer Befragung des Hamburger Marktforschungsinstituts SoftSelect im Auftrag des Anbieters Infor Global Solutions zusammenfassen. So nutzen die Unternehmen die Funktionalitäten ihrer ERP-Systeme meist nicht voll aus, verpassen oft den optimalen Zeitpunkt für eine Erneuerung und nutzen Service-Angebote wie Software-as-a-Service (SaaS) noch kaum. Gleichwohl zeigen sie sich mehrheitlich durchaus zufrieden.

"Die Ergebnisse dieser Studie belegen, dass fast jedes Unternehmen unter Einsatz einer neuen ERP-Software Kosten reduzieren und die Produktivität steigern konnte", konstatiert SoftSelect-Geschäftsführer Michael Gottwald. "Dennoch setzt jedes vierte Unternehmen eine Software länger als zehn Jahre ein und nimmt so die hohen Wartungs- und Betriebskosten einer inkonsistenten, zeit- und kostspieligen Altlösung in Kauf."

Die Anwender verfallen in Sachen ERP offenbar nicht in Hektik – weder was neue Beschaffungsmodelle noch innovative technologische Spielereien angeht. Als Schüler wären sie mit der soliden Note Drei vollauf zufrieden, ohne zwingend nach besseren Zensuren zu streben. Transparenz und Zuverlässigkeit stehen mit 79 Prozent ganz oben auf der Liste der mit Hilfe von ERP erzielten Verbesserungen.

Am ERP-System interessiert dieser Basis-Nutzen offenkundig mehr als das Ausnutzen dessen, was alles möglich wäre. 29 Prozent der Befragten gaben in der Studie an, höchstens 60 Prozent der ERP-Funktionalitäten regelmäßig zu nutzen. Weitere 38 Prozent verzichten nach eigener Einschätzung auf immerhin ein Viertel der implementierten Tools. "Standardlösungen beinhalten demnach vielfach Funktionalitäten, die gar nicht genutzt werden", heißt es in der Studie. "Dies kann an mangelndem Interesse der Anwender an den weiteren Funktionalitäten liegen, aber auch an nicht optimal geschulten Usern."

Man darf aus dem Gesamtbild der Studie schließen, dass die erstgenannte Antwort zutrifft. Die Prioritäten der Anwender liegen sehr deutlich auf der Erfüllung ihrer spezifischen Anforderungen. Wichtigstes Kriterium bei einer ERP-Neuanschaffung ist eine hohe Abdeckung von Branchenanforderungen - von zwei Drittel der Befragten mit höchster Priorität bewertet.

Leistungsstarker Support besonders wichtig

Frappierend ist, dass demgegenüber sogar der Kostenaspekt eine äußerst geringe Rolle spielt. Kostengünstiger Betrieb und geringe Einführungskosten siedeln nur 12 beziehungsweise 7 Prozent auf Prioritätsstufe 1 an. Bei der schnellen Inbetriebnahme sind es 14 Prozent.

Diese Haltung spiegelt sich wieder in der Erwartung der Anwender an ihre ERP-Anbieter. Ganz oben rangieren hier eine leistungsfähige Supportorganisation, die 59 Prozent als sehr wichtig erachten, Stabilität (55 Prozent) und branchenspezifisches Know-how (54 Prozent). Kaum punkten können Anbieter hingegen mit besonderen Zusatzlösungen (21 Prozent), eigener technologischer Infrastruktur oder einem breit gefächerten Arsenal an Finanzierungsmodellen (jeweils 7 Prozent).

Auch dem Einsatz von ausgelagerten, webbasierten Betriebsmodellen wie SaaS oder Application Service Providing (ASP) stehen die Unternehmen weiter skeptisch gegenüber. Nur 11 Prozent nutzen bereits einen solchen Service; 23 Prozent planen dies in den kommenden drei Jahren.

Umso ausgeprägter ist die Zufriedenheit im Bereich ERP. Zwei Drittel der Anwender verbuchten den erwarteten Nutzen, weitere 16 Prozent können sogar von übertroffenen Erwartungen berichten.

Auch finanziell verläuft alles zumeist im grünen Bereich. Ein Fünftel der Anwender konnte mit Hilfe von ERP Kosten um mehr als 25 Prozent senken, ein Viertel freut sich über Kostenreduzierungen zwischen 10 und 25 Prozent. Weitere 56 Prozent verzeichnen darunter liegende Einsparungen.

Controlling-Integration zukunftsweisend

Als Maßnahmen für eine zukunftsorientierte Ausrichtung ihrer ERP-Systeme setzen die befragten Unternehmen vor allen auf drei Eckpfeiler: 78 Prozent halten die transparente Messbarkeit der Kennzahlen durch eine durchgängige Integration des Controllings für entscheidend, 77 Prozent die Optimierung der Planung und Umsetzung von Produktionsprozessen. 76 Prozent setzen darüber hinaus auf eine langfristige Unterstützung neuer Geschäftsmodelle wie etwa Kunden- und After-Sales-Management.

Für den "ERP Trend Report 2010" befragte SoftSelect 120 mittelständische und große Unternehmen. (CIO/ph)

computerwoche
von Werner Kurzlechner
http://www.computerwoche.de/software/erp/2357422/
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